Paddeln liegt voll im Trend

Achim und Peter auf Entdeckungstour

Es ist der 21. Juni - Sommeranfang. Das Wetter ist wie für uns gemacht, als wir in Memleben zu unserer gemeinsamen Kanutour starten. Im Nachbarboot sitzt Kumpel Achim. Mit ihm gehe ich auf der 16-Kilometer-Strecke bis nach Karsdorf auf Entdeckungstour. Weitere vier Boote starten mit uns.

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Erlebnisreiche Kanutour mit Achim und Peter - Von Memleben nach Karsdorf.

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Nach gut vier Stunden erlebnisreicher Paddeltour legen wir an der Kanuausleihstation in Karsdorf an. Und um es direkt zu sagen, eine Eskimorolle war nicht notwendig. Wir klettern trocken aus den Booten.



 

Geschichtsträchtige "Landgänge"

Im Kanu von Wendelstein zum Blütengrund - Echtes Abenteuer bei Paddeltour

Autor: Peter Mischur

Ob auf der Saale oder der Unstrut: Überall werden sie jetzt wieder zu Wasser gelassen, die bunten Kanus und wendigen Faltboote. Sie sind der Saison-Hit, garantieren pure Romantik, bieten echtes Abenteuer und jede Menge Spaß. Paddeln liegt voll im Trend.

Um es vorweg zu nehmen, unser überaus spannender Bootsausflug ist gespickt mit zahlreichen geschichtsträchtigen "Landausflügen". Noch bevor wir in unser Kanu klettern, erklimmen wir die Anhöhe zur Burg Wendelstein.

. Wehr bei Wendelstein
Unterhalb der Burg Wendelstein schlängelt sich die Unstrut durch ihr Bett.
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Wir setzten unser "Plasteschiff" an der Schleuse Wendelstein ein und lassen uns treiben. Von hier sind es 43 Kilometer bis zum heutigen Tagesziel, dem Blütengrund bei Naumburg.

. Burgruine Wendelstein
Wehrhaft erhebt sich die Burgruine Wendelstein über der Unstrut.
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"Links, wir müssen mehr links", rufe ich Eva zu, sie sitzt im Bug des Kanus. Doch bei dieser starken Strömung kann meine Frau den Kurs nicht halten. Das Boot verfängt sich bereits in der ersten scharfen Kurve im Uferdickicht der Unstrut. Einige Landratten, die unser Manöver grinsend beobachtet haben, geben kluge Ratschläge.

Krypta Kloster Memleben

 

 

 

 

Klosterruine Memleben.

Klosterruine Memleben

Uns fehlt einfach die Übung solch störrischen Kahn zu dirigieren. "Diese Tour ist auch für Einsteiger gut geeignete", sagte uns der Verleiher am Blütengrund. Seine Worte klingen mir noch im Ohr. Doch um es vorweg zu nehmen, dies ist die einzige unfreiwillige Bekanntschaft mit dem Ufer. Denn schon nach wenigen Minuten haben wir den Bogen raus, und setzen die Stechpaddel im Wechsel ein. Lammfromm folgt unser plumpes Wassergefährt den Lenkbewegungen. Unsere nächste Anlegestelle ist Memleben.

Aussichtsturm
Aussichtsturm.
Himmelsscheibe Arche Nebra
Arche Himmelsscheibe Nebra.

Sehenswürdigkeit reiht sich an Sehenswürdigkeit. Kurz hinter dem geologischen Aufschluss der Steinklöbe erreichen wir Wangen. Hier erwartet uns der Besuchermagnet Arche Nebra mit dem Besucherzentrum. An der Fundstätte der Himmelsscheibe steht ein Aussichtsturm.

ICE-Trasse

 

Kurz vor Karsdorf wird für die neue ICE-Trasse eine gewaltige Brücke über das Unstruttal gebaut.

Foto:Juni 2011

Brückenbau ICE-Trasse

Die Unstrut, eigentlich sanft und romantisch, entspringt bei Kefferhausen im Eichsfeld und mündet direkt an der Kanuausleihstation am Blütengrund in die Saale. Die Länge des Flusses beträgt etwa 190 km. Reizvolle Naturräume, malerische Ortschaften und kühne Burgen erobern wir vom Boot aus. Dazu gehören u.a. Nebra, das NSG bei Burgscheidungen, zahlreiche historische Wassermühlen, das Glockenmuseum in Laucha, die Neuenburg, den Herzoglichen Weinberg in Freyburg und bei Großjena das Felsrelief "Steinernes Bilderbuch".

Wassersport ist sehr beliebt. Dies sehen wir besonders an den Schleusen, wo es zu Staus kommen kann. Kein Wunder, dass so viele den Freizeitsport für sich entdecken. Paddeln ist Action und Spaß zu gleich. Wir haben an diesem Sonntag Glück. Lediglich bei Laucha schließt sich das Schleusentor vor unserer Nase. Doch die Wartezeit ist kurz. Für uns die Gelegenheit, mal schnell an Land zu huschen.


Vor der Schleuse Laucha.

In der Ferne grüßt die Neuenburg.

Wie von Geisterhand öffnet sich jetzt das zweiflügelige Schleusentor. Gemeinsam mit anderen Wasserwanderern treiben wir in die Schleusenkammer. Kaum ist sie geschlossen, sinkt der Wasserspiegel. Es vergeht nur geraume Zeit - das untere Tor öffnete sich - entlässt die Boote.

"Sieh mal da", flüstert Eva und zeigt in Richtung eines Graureihers, der sich im flachen Uferwasser sein Mittagessen sucht. In Punkto Natur steht die Unstrut ihrer großen Schwester, der Saale in keiner Weise nach - im Gegenteil. Heiter und anmutig bahnt sich die Unstrut ihren Weg. Die abwechslungsreiche Landschaft entlang des Flusses mit der reichen Flora und Fauna gehört zu den schönsten Gegenden im Süden Sachsen-Anhalts.

Gemächlich paddeln wir durch einmalige Landstriche, fast unberührte Auenwälder, tangieren schmucke Dörfer sowie geschichtsträchtige Anlagen.

   

Reisen nach dem eigenen Maß, das Tempo selbst bestimmen. Umweltfreundlich und aktiv sind wir unterwegs. Dabei erfahren wir einiges über die Region aber auch über uns selbst, die eigene Kraft, den Mut sowie den Abenteuergeist.


Das Riesenfass ist in der Sektkellerei.


Herzoglicher Weinberg in Freyburg.

Geradezu malerisch wird der Fluss bei Freyburg. Wir paddeln direkt am Fuße der Weinbergterrassen entlang. Dann fahren wir in die Schleuse ein. In der Schleusenkammer sind wir allein. Übrigens: es ist die größte Kammer mit dem größten Höhenunterschied der etwa 2,5 Meter beträgt. Jetzt sind wir in der Toscana des Nordens. Zahlreiche Weinstuben und die Sektkellerei laden zum Verweilen ein. Von hier sind es 5 Kilometer bis zum Ziel. Einen Zwischenstopp legen wir noch an der Steinernen Bibel ein.



Geschichte mühsam in Fels gemeißelt 

Steinerne Zeugen agieren auf Sandsteinbühne am Fuße des Weinbergs

Von Peter Mischur

Ein gemeißeltes Bilderbuch ist die Steinerne Bibel bei Großjena. Das Kunstwerk erzählt anschaulich Geschichte und Geschichten. Das etwa 280 Jahre alte Festbuch setzt sich aus zwölf verschiedenen Bildern zusammen und ist 180 Meter lang. Hans-Peter Müller vom Heimatverein erklärt fachkundig die einzelnen Motive. „Vor uns befindet sich das größte europäische Bildrelief“, deutete er auf die Felswand mit den zahlreichen etwa lebensgroßen Figuren.



Sie erzählen überzeugend aus der 1000-jährige Geschichte des Weinanbaues an Saale und Unstrut. "Dieses Kunstwerk ist von unschätzbarem kulturhistorischen Wert", untermauert er seine Aussage. Während sich Müller jetzt auf die historischen Fakten konzentriert, informiert Thomas Fischer, vom Vorstand des Kulturvereins „Gothisches Haus Burgheßler e.V.“, detailliert über die Schritte der Sanierung. Er ist stets dabei, wenn der Steinmetz und Restaurator Peter Fiedler an den steinernen Zeugen der Vergangenheit arbeitet. Er kann ein Lied davon singen, in welch marodem Zustand sich das Gesamtwerk befand.

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Ein kleiner Ausschnitt aus der Steinernen Bibel.
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Jetzt, nach über vier Jahren der mühsamen und aufwendigen Restaurierung, sind die Motive vor dem weiteren Verfall bewahrt. Dabei sind sich die Fachleute einig, dass hier stets weiter saniert werden muss. Denn der Zahn der Zeit nagt ständig an dem Buntsandsteinhang, er greift dabei auch die Reliefs mit an. Deshalb wird das einzigartige Kunstwerk stets ein Pflegefall bleiben.

Sehr einfühlsam erläutert Hans-Peter Müller die Bilder. Durch kleine Anekdoten und überlieferte Geschichten erweckt er sie quasi zum Leben. Dabei berichtet er ebenfalls, dass im Jahr 1720 der reiche Gold- und Silberschmied Johann Christian Steinauer den Weinberg bei Großjena erwarb. Er war Hofjuwelier von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels. Dieser feierte am 17. März 1722 sein zehnjähriges Regentenjubiläum. Zur Erinnerung an diesen Tag ließ Steinauer seinen Weinberg mit dem Felsenrelief schmücken - dem Steinernen Album.


Die „Albumblätter“ zeigen meist biblische, aber auch zwei weltliche Motive aus dem Weinbau. Die stummen Zeugen der 1.000-jährigen Geschichte spiegeln den Anbau der Reben und das Keltern der Trauben an den Hängen der Unstrut wider. Naturkulisse ist die mächtige Sandsteinbank am Fuße des Weinberges. Sie ist die barocke Bühne, auf der biblische Szenen und weltliche Darstellungen präsentiert werden.

Etwa eine halbe Million Mark sind bisher an Fördergeldern für die Restaurierung des Steinernen Wunders aus unterschiedlichen Quellen geflossen. Damit konnten die wichtigsten Arbeiten zum Erhalt des Kunstwerkes finanziert werden. Die Motive wurden in aufwendiger Arbeit faktisch mit einem speziellen Steinfestiger geimpft. Dadurch erhärtet der Fels - der dramatische Verfallsprozess an den Steinbildern wurde gestoppt. Der Stein zerbröselte vor dem Make up, wurde zu Sand. Darunter litten die barocken Figuren, sie wurden invalid. Köpfe, Körper, Gliedmaßen und Schriftzeilen lösten sich auf, rieselten als Staub zur Erde - sind unwiederbringlich verloren.

 


 

Stationen unserer Wasserwanderung sind: Wendelstein, Wangen, Arche Nebra, Nebra, Karsdorf, Wennungen, Burgscheidungen, Schleuse und Ort Tröbsdorf,  Kirchscheidungen, Dorndorf,  Schleuse und Ort Laucha, Weischütz, Balgstädt, Zscheiplitz, Schleuse Zeddenbach, Schleuse und Ort Freyburg, Nißmitz, Großjena und die Mündung der Unstrut in die Saale am Blütengrund bei Naumburg. Hier geben wir den Kahn wieder ab.

 

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