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+++ Eva & Peter Mischur +++ Besuch der Barbarossahöhle +++

Barbarossahöhle - Funkelnde Kristallwelt

Beeindruckender Rundgang in des Kaisers finsterem Reich

„Wir befinden uns hier in einem überaus geschichtsträchtigen Bereich", deutet der Werkleiter der Barbarossa-Höhle, Jürgen Fischer, aus dem Fenster. Zum einen fließt hier unten die Kleine Wipper. Ein von den Mönchen um 1100 angelegter künstlicher Wasserlauf. Oberhalb der Höhle sind die Ruinen der einstigen Falkenburg zu entdecken. Und nur wenige Kilometer entfernt tobte 1525 der große Deutsche Bauernkrieg.

Als Highlight nennt er die Barbarossa-Höhle, die ihre volle Schönheit auf 24000 Quadratmetern entfaltet. Sie ermöglicht neben dem eigentlichen Schauwert auch einen tiefen Einblick in die Erdgeschichte und ist eine wahre Fundgrube für Geologen. Ebenso bunt und vielseitig wie die Landschaft sind auch die Kultur und Geschichte dieser Region. Sie ist geprägt von Kaiser Barbarossa. Der legendäre Staufenkaiser hat im Kyffhäuserkreis seine Heimat.

Zentren des Rotbartkults sind das Kyffhäuser-Denkmal sowie die Barbarossahöhle. Das unterirdische Sagenreich ist die größte touristisch zugängliche Gipshöhle in Europa und sucht  - Schönheit und Eigenart betreffend - ihresgleichen. Besucher aus aller Welt sind von dem einmaligen Naturwunder überwältigt. Dies spiegelt sich im dickleibigen Gästebuch wider.
   


 


Zerbrechliche Gipslappen schweben von der Decke herab.

 

 


Entdeckungen im tiefen Schoß der Erde

Autor: Peter Mischur

Eisige Sturmböen peitschen über den südwestlichen Hang des Naturparks Kyffhäuser. Die Baumwipfel am Parkplatz der Kyffhäuser-Höhle schwanken wie Schiffe auf stürmischer See. Endlich ist der geschützte Eingangsbereich erreicht. Nach einer kurzen Wartezeit beginnt die Führung durch das stockfinstere Reich von Kaiser Rotbart. Im Gänsemarsch durchschreiten wir in gespannter Erwartung den 160 m langen Eingangsstollen. Hier, im Schoß der Erde herrschen angenehme klimatische Bedingungen. Die Lufttemperatur liegt ständig bei 9 Grad Celsius, während draußen ein unangenehmer Wind durch Mark und Bein pfeift.

Die Höhle ist bei dieser Jahreszeit der richtige Ort für einen Familienausflug. Mit einem freundlichen „Glück Auf" werden wir von unserer Höhlenführerin Diana Sölle begrüßt. Sie gehört quasi zum Urgestein, wie sich später heraus stellen soll. Sie übernimmt nicht nur die fachliche Seite unserer Expedition in das Erlebnisreich, sondern ist auch für die Sicherheit der kleinen Gruppe voll verantwortlich. Völlig überraschend weitet sich jetzt der enge Stollen zu einem weit gespannten Hohlraum. Der Empfangssaal. Über uns türmen sich 70 Meter Gestein  Und schon beim Namen dieser Örtlichkeit wird deutlich, das jeder Bereich auf der 800 Meter langen, erlebnisreichen Wanderung in dieser Sehenswürdigkeit einen treffenden Namen erhielt. Da gibt es die Gerberei, die Speckkammer, den Wolkenhimmel, den Olymp, die Kristallkammer. Dorthin führt uns jetzt der Weg. Doch zuvor durchqueren wir das Felsenmeer.

Abertausende Kristalle glitzern wie Sterne am Nachthimmel. Wir recken die Hälse, um die Pracht über uns bestaunen zu können. Welch verschwenderische Schönheit. Während ihrer Erklärungen zur Geologie und Erdentwicklung unterstreicht Diana Sölle in den weit gespannten Gewölben mit dem Strahl der Taschenlampe ihre Worte. Dabei kreist der Lichtpunkt über funkelnde Kristalle, strahlende Alabasteraugen genauso wie über schlangenförmige Flexuren im Gestein. Der Lichtkegel entreißt quellklare Seen dem Reich der Finsternis. Zusätzliche Scheinwerfer zaubern mythisch anmutende Lichtreflexe mit bizarren Gebilden an die Wände. Dunkle Flecken und gräuliche Linien regen unser kleines Trüppchen zu phantasievollen Deutungen an. Gebilde, die die Natur hier in verschwenderischer Form im Laufe der Jahrtausende schuf.

Die nächste Station ist die magisch anmutende Neptungrotte. 500-Watt-Scheinwerfer setzten hier besondere Akzente. Sie heben bizarr geformte Gesteinsbrocken aus dem Grau des Gipsgesteins heraus. Die Beleuchtung ist so raffiniert installiert, dass sich im grün schimmernden etwa 2 Meter tiefen Wasser die prächtigsten Spiegelungen betrachten lassen. In zwei kristallklaren Seen spiegeln sich eindrucksvoll die interessanten Formstrukturen der nur 3 m hohen Grotte wider. Über all diese Besonderheiten informiert die Führerin ausführlich. Ja, oft sogar entspinnt sich ein Dialog mit den Besuchern. So zum Beispiel, wenn Schätzfragen zur Wassertiefe oder der Temperatur im Raum stehen.

Diana Sölle hat so manch witzige Einlage parat, die sie mit geübter Rhetorik an den Mann bringt. So, als sie die Besucher auffordert, hier ein erfrischendes Bad zu nehmen. Es wagt sich keiner. „Sie brauchen keine Badehose, nur ein Knopfdruck und es ist stockdunkel“. Dann setzt sie schelmisch lächelnd hinzu, bei der Wassertemperatur sei eh nichts zu sehen. Auch diese Aufforderung verhallt ungehört an den Höhlenwänden.

Jetzt stockt uns der Atem. Wir befinden uns in der Gerberei. „Der schönste Raum der Höhle“, so Frau Sölle. Hier sind die eigenartig geformten Deckenlappen besonders fotogen. Bis zu 1 m lang, schweben die zerbrechlichen Gipslappen von der Decke herab. Sie erinnern an Felle, die zum Trocknen aufgehängt sind. Der eigentümliche Reiz der unterirdischen Zauberwelt der Barbarossa-Höhle liegt im eigenwillig schönen, vielschichtigen, nahezu ungeheuerem Farbenspiel weißen bis grauen Gesteins, dessen tausendfältige Formensprache zu staunender Bewunderung anregt, charakterisiert ein Prospekt das Naturwunder im Telegrammstil.

Weiter führt uns der Weg zum Tanzsaal, einem riesigen Hohlraum von 42 Meter Spannweite. Hier fanden im letzten Jahr verschiedene Konzerte statt. Doch jetzt steigt die Spannung. Wir nähern uns der sagenreichsten Stelle. Stuhl und Tisch von Barbarossa. Tief drunten im Berg, direkt im Herzen des Naturwunders befinden wir uns in des Kaisers finsterem Reich. Wir erweisen dem alten Rotbart unsere Referenz. Ein etwas jugendlich wirkender Rauschebart sitzt ehrwürdig an einem steinernen Tisch und muss das grelle Licht der Scheinwerfer ertragen. Erst beim näheren Herankommen wird deutlich, dass eine lebensgroße Puppe den Ehrenplatz, der eigentlich dem Kaiser gebührt, einnimmt. „Das ist ein besonderer Werbegag und beliebtes Fotomotiv“, so Diana Sölle.


Über die Treppe gelangen wir in den Dom und bestaunen den Fingerabdruck des Kaisers.

Die nächste Überraschung ist der Olymp. Mit 25 Metern der höchste Raum der Höhle. In ihn gelangen wir durch eine schmale Öffnung. Hatte hier Rübezahl gewütet? Unheimlich chaotisch mutet dieser Höhlenteil an. Felsbrocken türmen sich zu einem wüsten Gebirge. Wir bestaunen die Speckkammer, auch Vorratskammer des Kaisers genannt, den Grottensee und steigen über eine Treppe in den Dom. Dabei schauen wir in die schönsten Alabasteraugen der Höhle, betrachten den Fingerabdruck des Kaisers und lassen weitere Phantasiegebilde über die Wände geistern.

Noch ein kurzer Blick in die Hexenküche und wir reihen uns wieder zum Gänsemarsch durch den 1926 angelegten Ausgangsstollen. „Glück auf“ die Erdoberfläche hat uns nach gut 50 Minuten wieder. Immer noch peitscht ein eisiger Wind die Wipfel der Bäume.

Entdeckung der Höhle: Die Barbarossahöhle wurde rein zufällig im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Kupferschieferbergbaus entdeckt. Am 31.8.1860 begannen fünf Bergleute unterhalb der Ruinen der Falkenburg einen Suchstollen in den Berg zu  treiben. Über fünf Jahre waren sie Meter um Meter in den Berg vorgedrungen, als sie nach einer Strecke von 178 m  unerwartet auf natürliche Hohlräume von beeindruckender Größe und Schönheit stießen. Der Berg hatte sich vor  ihnen geöffnet - die Barbarossahöhle war entdeckt. Es war der 23. Dezember 1865.

 

 

©  Peter Mischur Sangerhausen | E-Mail: pemis at web.de