Beeindruckendes Flair vergangener Zeiten

Mühlentour 3: Gonna - Grillenberg - Wippra - Friesdorf - Rammelburg -  Ritzgerode

Tourlänge:  48 Kilometer

Während wir bei den Mühlentouren 1 und 2 noch funktionstüchtige Mühlen besuchen und vorstellen, radeln wir jetzt mehr auf dem geschichtlichen Pfad von einstigen Mühlen. Ein Teil von ihnen ist aus dem Ortsbild verschwunden, einige wurden erhalten oder als Wohnhaus umgebaut. Und noch ein geschichtlicher Fakt ist wissenswert. Im Stadtgebiet von Sangerhausen klapperten einst elf Mühlen am rauschenden Bach.

Unsere Tour starten wir auf dem Parkplatz an der Kupferhütte. Bereits nach wenigen Pedalumdrehungen schiebt sich die Pfeffermühle ins Bild. Kaum haben wir sie hinter uns, erreichen wir die Walkmühle. Weiter geht es in Richtung Gonna. Am Reitplatz tangieren wir die einstige Hüttenmühle und in Gonna leuchtet das Fachwerk der ehemaligen Ölmühle durch das zarte Frühlingsgrün.

An der Klippmühle in Grillenberg erinnert das kunstvoll gemalte Wasserrad eindrucksvoll an die einstiege Mühle. Das Objekt wurde sehr aufwendig saniert und zu einem schmucken Wohnhaus umgebaut.

Grillenberg
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Nach der aufwendigen Sanierung ist die Klippmühle in Grillenberg ein wahres Schmuckstück.
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Weiter radeln wir in Richtung Wippra, dabei tangieren wir auch das beliebte Waldbad in Grillenberg. Nach einer längeren ansteigenden Strecke weist ein Schild auf die Gonnaquelle hin. Von hier sind es nur wenige Pedalumdrehungen und wir sind an den Pferdeköpfen. Jetzt rollt es bis Wippra nur noch bergab. Vorbei am Bahnhof Wippra, der zu einem Drehkreuz ausgebaut wird, erreichen wir das Zentrum des Erholungsortes.

Wassermühle Wippra



Zu einer kleinen Stärkung lädt das Mühlenkaffee in Wippra ein. Bei schönstem Frühlingswetter sitzen wir im Biergarten und schauen direkt auf das große Wasserrad. In unmittelbarer Nähe zeigt eine dekorative Weltkugelsonnenuhr die Zeit an. Und nur einige Radumdrehungen weiter, befindet sich der historische Brauhof. Hier kann man einen Schluck Heimat genießen und später im Buch mit den 7 Siegeln blättern.

Sehenswürdigkeit - Buch mit 7 Siegeln



Zu den besonderen Anziehungspunkten des kleinen Ortes zählen weiterhin die Sommerrodelbahn und neuerdings der Kletterwald. Hier schwingen sich die gesicherten Kletterer wie Tarzan durch die Bäume und werden zu wahren Wipfelstürmern. Als weitere Attraktion öffnet im Frühjahr 2012 eine Seilbahn über das Wolfstal. Mit einem Affenzahn brettern die Mutigen die 240 m Bahn hinunter ins Tal.

Sommerrodelbahn und Kletterwald in Wippra






Wir schwingen uns allerdings nicht an Lianen durch die Wipfel sondern in den Sattel. Von der Rodelbahn an benutzen wir einen recht breiten Feldweg. Hinter uns wirbelt eine leichte Staubwolke auf, als wir im romantischen Wippertal in Richtung Friesdorf touren.

Fast in Griffweite verläuft parallel zum Feldweg das Gleis der Wipperliese. Diese 1920 erbaute Bahnstrecke durchquert bis Vatterode einen Teil des Wippertals. Die Bahnstrecke führt über Friesdorf, Biesenrode, Gräfenstuhl-Klippmühle, Vatterode und Mansfeld. Nach gut 20 Kilometern erreicht die Bahn Klostermansfeld.

Friesdorf

Die barocke St.-Martins-Kirche wurde 1718 geweiht..
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Nach einem kurzen Abstecher an die Kirche rollen wir weiter nach Rammelburg mit seinem markanten Schloss. Doch zuvor knipsen wir noch die ehemalige Herrenmühle.

Schloss Rammelburg
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Kurz hinter dem Haltpunkt der Wipperliese, Friesdorf Ost, verlassen wir das Wippertal und pedalen an einem längeren Anstieg in den Ort Rammelburg. Dominierendes Bauwerk ist zweifelsfrei die Rammelburg, die wie ein verwunschenes Märchenschloss auf den Prinzen wartet der es wach küsst. Die erste urkundliche Erwähnung datiert im Jahre 1259. Am höchsten Punkt auf dieser Etappe fahren wir ein kurzes Stück auf der Klaus (B 242) in Richtung Harzgerode bis zum Abzweig nach Ritzgerode.

Talabwärts im wunderschönen Einetal liegt die Untermühle Ritzgerode. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1046. Die Mühle ist eine der wenigen noch funktionstüchtigen Wassermühlen in der Region.

Untermühle Ritzgerode



Das 3,65 m große Wasserrad treibt die gesamte historische Mühlentechnik an.

Die Tore stehen weit offen. Diese Gelegenheit nutzen wir, und schauen dem Müller Richard Ermisch in seinem mehligen Reich über die Schulter. Übrigens befindet sich die Mühle seit 1890 im Besitz der Familie Ermisch.

Mühlenromantik
Der Mühlstein 
Ein Mühlstein und ein Menschenherz 
werden stets herumgetrieben, 
wo beides nichts zu reiben hat, 
wird beides selbst zerrieben. 
Gedicht von Lonau von 1654

Die Rückfahrt wählen wir über Popperode und Wippra. In Wippra besteht die Möglichkeit, auf direktem Weg über Grillenberg nach Sangerhausen zu fahren. Als weitere Streckenführung bietet sich die Tour über Hayda, Morungen, Lengefeld nach Sangerhausen an.

Tipp: Speziell am Pfingstmontag  bietet der Deutsche Mühlentag die Chance, sich solch Wunderwerk der Technik genauer anzuschauen. Bei Führungen werden Geschichten über das Leben der Müller erzählt, es gibt Schauvorführungen, kleine Ausstellungen und Musik. In einigen Mühlen können die Besucher auch Produkte aus der hauseigenen Produktion erwerben. Ebenfalls werden an allen Mühlen neben den Besichtigungen auch kulturelle Rahmenprogramme angeboten. Vielerorts bereichern landwirtschaftliche Geräte und bäuerliche Einrichtungsstücke die Präsentation der Mühle.

 

 


 

© Peter Mischur - Rosenstadt Sangerhausen - Nach oben