Technische Zeitreise zum klappernden Handwerk

Mühlentour 1: Edersleben - Mönchpfiffel-Nikolausrieth - Bottendorf - Langenroda

Tourlänge: 70 Kilometer

Der Wettergott meint es an diesem Tag sehr gut mit uns Fahrrad-Jüngern. Wir satteln in Sangerhausen die Drahtesel und  lassen uns auf dem straßenbegleitenden Radweg gemächlich den Berg nach Oberröblingen hinunter kullern. Weiter geht es auf dem Radweg parallel zur B 86 nach Edersleben. Nach gut 15 Minuten klappert die erste Mühle am rauschenden Bach. Es ist die Wassermühle in Edersleben.

Obermühle Edersleben
 

Obermühle in Edersleben 

Geöffnet: Zum Deutschen Mühlentag, Tag des offenen Denkmals; Werner Düben 03464 / 674176 

"Unsere Wassermühle wird durch das unterschlächtige Zuppinger-Wasserrad angetrieben", erklärt Werner Düben vor dem Hintergrund, dass es 2004 in Eigenleistung nach historischen Plänen erneuert wurde. Stolz ist der Müller in Spe besonders darauf, dass die mühlentechnische Einrichtung vollständig und funktionstüchtig erhalten ist. Dazu zählen ein liegendes Hauptgetriebe, Mahlgang (1100 mm), Schrotgang (1100 mm), 2 Walzenstühle (je 300 x 400 mm), ein Plansichter (Fabrikat: Luther), Wurfsichter (Askania), Reinigung sowie zwei Mischmaschinen. 
Nach einer ausführlichen Mühlenbesichtigung und einer kleinen Stärkung rollen wir auf der Ortsverbindungsstraße weiter in Richtung Voigtstedt. Beim ehemaligen Dachziegelwerk überqueren wir die Landesgrenze nach Thüringen und radeln nun im Kyffhäuserkreis. Die Gemeinde Voigtstedt durchqueren wir und gelangen auf gut ausgebauten Feldwegen zu unserem nächsten Ziel - Mönchpfiffel-Nikolausrieth. 

Bekanntes Volkslied 
Aus der Zeit, als die Müller noch auf die Walz 
gingen stammt das Volkslied: 

"Das Wandern ist des Müllers Lust".
  
Komponiert wurde es 1840 von Carl Friedrich  
Zöllner in Oldisleben (heute Kyffhäuserkreis).  
Gedichtet hat es der Dessauer Wilhelm Müller.  
Doch das ist schon die nächste Radtour.
 

Das Wandern ist des Müllers Lust 

Das Wandern ist des Müllers Lust, 
das Wandern ist des Müllers Lust,  
das Wandern.  
Das muss ein schlechter Müller sein,  
dem niemals fiel das Wandern ein,  
dem niemals fiel das Wandern ein,  
das Wandern, Wandern, das Wandern, 
das Wandern, das Wandern, das Wandern, 
das Wandern. 

Im Kyffhäuserkreis drehten sich vor gut 120 Jahren  noch 71 Wind- sowie 110 Wasser-, Öl- und Sägemühlen. Diese Zahl ist in den letzten Jahrzehnten erheblich geschrumpft. Nur zwei funktionsfähige Windmühlen sind noch erhalten. Ähnlich ist die Entwicklung in Thüringen. Im Freistaat gibt es lediglich noch 57 Windmühlen. Früher waren es über 400. Und annähernd 2800 Wassermühlen klapperten einst am rauschenden Bach. 
Zwei davon befinden sich in Mönchpfiffel-Nikolausrieth. In beiden Mühlen ist die Technik noch komplett vorhanden. Deshalb erlauben sie eine spannende Zeitreise zu den einzigartigen Zeugen der Geschichte. Denn als technisches Denkmal künden sie von einer Epoche, als die Mühle die modernste Anlage auf dem Land war. Doch beide Mühlen ereilte das gleiche Schicksal - sie sitzen auf dem Trockenen. Es sind die traurigsten Kapitel der Mühlengeschichte. 

Funktionsfähige Technik in der Damm-Mühle in Mönchpfiffel-Nikolausrieth

Besitzer Rudolf Walter

Damm-Mühle in Mönchpfiffel-Nikolausrieth 

Geöffnet: Zum Mühlentag, Tag des offenen Denkmals und auf Anfrage; Rudolf Walter 034652 / 293

Rudolf Walter, der Müller der Damm-Mühle ist mit seinen 75 Jahren immer noch der Herr über Schrot und Korn. Fast täglich verarbeitet er für seinen großen Kundenstamm Getreide zu Schrot, quetscht Hafer und ... Heute treibt allerdings ein großer E-Motor die Mühlentechnik an. Denn durch Meliorationsmaßnahmen in den Jahren 1968 bis 1970 wurde der Damm-Mühle regelrecht das Wasser der Helme abgegraben. 
Auf das Entstehungsdatum eingehend deutet Rudolf Walter auf einen verzierten Wappenstein oberhalb der Tür. Darauf ist ersichtlich, dass die Mühle 1704 gebaut wurde. Vermutlich brannte sie ab und hinter der Jahreszahl 1733 ist in Stein dokumentiert, das die Mühle "abermahl erbauet" wurde. 

Antriebstechnik in der Kloster-Mühle in Mönchpfiffel-Nikolausrieth

Transmissionswelle mit
 Kegelradgetriebe

Francis-Spiralturbine - 
Leistung 6-7 kW

Dieselmotor - Leistung 
17,6 kW = 24 PS

Kloster-Mühle in Mönchpfiffel-Nikolausrieth 

Geöffnet: Zum Deutschen Mühlentag, Tag des offenen Denkmals; Hartmut Koch 03643 / 850250 

In den Jahren 1970-1972 wurden Meliorationsarbeiten an der Rohne durchgeführt. Ergebnis - Die Kloster-Mühle sitzt seit dem auf dem Trockenen. Die Francis-Turbine hatte ausgedient. Ein Diesel- und ein E-Motor bringen fortan das gut geschmierte Räderwerk des technischen Schaudenkmals in Schwung.

"Die vorhandene Mühlentechnik stammt aus dem Zeitraum um 1900 bis 1932. Die freistehende Francis-Spiralturbine als Antriebsmotor wurde 1935 anstelle des reparaturbedürftigen oberschlächtigen Wasserrades eingebaut", informiert Hartmut Koch. Für das Jahr 1237 ist der Kauf der Mühle durch das Kloster Walkenried belegt. Erbaut wurde die Wassermühle vermutlich schon 1208. 

Aus der Klosterzeit stammt eine kleine, in einfachen romanischem Stil erbaute Klosterhofkapelle, in deren Turm eine der ältesten Glocken Deutschlands hing. Sie musste ausgebaut werden und läutet jetzt auf dem Friedhof. 

Bis zur Kloster-Mühle waren es gut 24 km. Obwohl unsere Tour noch nicht zu Ende ist, kann von hier der Ausgangsort Sangerhausen angesteuert werden. Dazu bietet sich der Rohneweg an, der nach 2,5 km Allstedt erreicht. Ab hier benutzen wir den Radweg nach Sangerhausen (etwa 10 km). 

Die Natur präsentiert ein beeindruckendes Schauspiel der Farben

Weiter führt unsere Radtour nach Bottendorf und Langenroda. Auf dem Helmewanderweg tangieren wir Schaafsdorf sowie Heygendorf und erreichen nach 31 km Kalbsrieth. Hier mündet die Helme in die Unstrut. Fortan rollen wir auf dem Unstrutradweg ein gutes Stück in Richtung Bottendorf dabei passieren wir Schönewerda. Wir fahren durch die einmalige Landschaft des romantischen Unstruttales. Hier kontrastiert der gelbe Löwenzahn mit dem strahlenden Blau des Himmels und den knallroten Mohnblüten. Am Wegesrand stehen die knorrigen Kirschbäume in voller Blüte und untermalen dieses beeindruckende Farbenschauspiel der Natur.

Ehemalige Wassermühle Kupferhammer Bottendorf

In Bottendorf ist ein Abstecher in die Mühle Kupferhammer allemal lohnenswert. An dieser Stelle kehren wir der Unstrut den Rücken und biegen rechts nach Donndorf ab. Den Ort durchqueren wir in Richtung Wiehe. Kurz hinter dem Ortsausgang Donndorf befindet sich der ausgeschilderte Abzweig nach Langenroda. 

Idyllisches Schmuckstück -  Die Bockwindmühle Langenroda

Bockwindmühle in Langenroda 

Geöffnet: Zum Deutschen Mühlentag, Tag des offenen Denkmals; Familie Schneider 034672 / 81966 

Während wir bei unserer bisherigen Besichtigungstour die Wassermühlen erkundeten, erwartet uns am Ziel der Radtour, in Langenroda eine Bockwindmühle. Bevor wir sie uns genauer anschauen, verwöhnt uns die Hausherrin im urgemütlichen Mühlencafé mit kulinarischen Kuchenköstlichkeiten aus "Großmutters Küche". Dabei erfahren wir: "Die Windmühle in Langenroda zwischen Donndorf und Wiehe gilt als die älteste Bockwindmühle Thüringens, sie wurde im Jahre 1732 erbaut." 

Aus historischen Unterlagen geht weiterhin hervor, dass die Mühle bis etwa 1950 betrieben wurde, allerdings schon mit einem E-Motor ausgerüstet. In den darauf folgenden Jahren wurde sie nicht mehr genutzt, die stolze Mühle war dem Verfall preisgegeben - wurde flügellahm. Seit 1996 ist sie in Privatbesitz der Familie Schneider. Mit finanzieller Unterstützung des Thüringer  Landesamtes für Denkmalpflege, des Flurneuordnungsamtes und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde die Mühle von 1999 - 2001 denkmalgerecht saniert. Und groß war die Freude, als sie im Frühjahr 2001 mit neuem Flügeln das erste Mal wieder in den Wind gedreht werden konnte. 

Das idyllische Schmuckstück besitzt als Besonderheit insgesamt drei Mahlwerke aus drei Jahrhunderten, die allesamt restauriert wurden und zu besichtigen sind.

Die Rückfahrt kann auf dem gleichen Weg erfolgen, oder auf dem Unstrutradweg bis Artern und dann nach Sangerhausen.

Tipp: Speziell am Pfingstmontag  bietet der Deutsche Mühlentag die Chance, sich solch Wunderwerk der Technik genauer anzuschauen. Bei Führungen werden Geschichten über das Leben der Müller erzählt, es gibt Schauvorführungen, kleine Ausstellungen und Musik. In einigen Mühlen können die Besucher auch Produkte aus der hauseigenen Produktion erwerben. Ebenfalls werden an allen Mühlen neben den Besichtigungen auch kulturelle Rahmenprogramme angeboten. Vielerorts bereichern landwirtschaftliche Geräte und bäuerliche Einrichtungsstücke die Präsentation der Mühle.

 

 

© Peter Mischur - Rosenstadt Sangerhausen - Nach oben