Einmal um des Kaiser´s Bart

Seitensprung nach Thüringen - Besuch der Barbarossahöhle - Rundflug über der Region

Tourlänge: 68 Kilometer

Zu den Glanzlichtern eines  Radausflugs in der sagenhaften Kyffhäuserregion gehört zweifellos die Tour - Einmal um des Kaiser´s Bart. Sie führt zu Füßen von Kaiser Rotbart entlang. Dabei umrunden wir das gesamte Kyffhäusergebirge.

 

Sagenreich: Die im 11. Jh. errichtete Reichsburg und das Kyffhäuserdenkmal.
 

Die Etappe beginnt in Sangerhausen und verläuft auf dem gut ausgeschilderten Harzvorland-Radweg über Oberröblingen, Martinsrieth, Brücken (11 km) und Tilleda (17 km). Hier unternehmen wir einen Abstecher in ein duftendes Blütenmeer. Geformt wird es von den riesigen Streuobstwiesen mit über 40.000 Bäumen. Es verwandelt die liebliche Landschaft rund um die Königspfalz Tilleda in ein Meer in Weiß. Dahinter erhebt sich das Kyffhäusergebirge mit dem Denkmal.

 


Eva und Roberto.

Eva und Peter.

Eva und unser Sohn Roberto.

Auf einem Teil der ehemaligen Strecke der Kyffhäuserbahn, die von Artern nach Berga dampfte, befindet sich jetzt ein Radweg. Er führt uns über Sittendorf (20 km) weiter nach Kelbra (24 km). Der Baubeginn für die Eisenbahnstrecke der Kyffhäuser-Kleinbahn erfolgte im Frühjahr 1914. Die Streckenlänge betrug 29,55 km. Am 5. Juni 1966 schnaufte auf dieser Eisenbahnlinie der letzte Personenzug - der  Verkehr wurde eingestellt.

Unsere nächsten Etappenorte erreichen wir ab Kelbra über eine wenig befahrene Ortsverbindungsstraße. Am Huflar (28,4 km) überqueren wir die Landesgrenze nach Thüringen. Von hier bietet sich ein schöner Ausblick auf den Stausee Kelbra und weit hinein bis in den Südharz. Steinthaleben (31 km) und die Barbarossahöhle (34 km) bei Rottleben sind die nächsten Stationen. Hier legen wir die Mittagspause ein. Die Zeit kann auch zu einem Besuch der Höhle genutzt werden.

Ein besonderes Highlight ist der Besuch der Barbarossahöhle, die ihre volle Schönheit auf 24.000 Quadratmetern entfaltet. Sie ermöglicht neben dem eigentlichen Schauwert auch einen tiefen Einblick in die Erdgeschichte und ist eine wahre Fundgrube für Geologen. Ebenso bunt und vielseitig wie die Landschaft sind auch die Kultur und Geschichte dieser Region. Sie ist geprägt von Kaiser Barbarossa. 


Im unterirdischen Reich von Barbarossa  
bestaunen wir den Fingerabdruck des Kaisers.

In der Gerberei schweben zerbrechliche 
Gipslappen von der Decke herab.

Der legendäre Staufenkaiser hat im Kyffhäuserkreis seine Heimat. Zentren des Rotbartkults sind das Kyffhäuserdenkmal sowie die Barbarossahöhle. Das unterirdische Sagenreich ist die größte touristisch zugängliche Gipshöhle in Europa und sucht  - Schönheit und Eigenart betreffend - ihresgleichen. Besucher aus aller Welt sind von dem einmaligen Naturwunder überwältigt. Dies spiegelt sich im dickleibigen Gästebuch wider.

Nach einer längeren Verschnaufpause starten wir in Richtung Bad Frankenhausen. Jetzt pedalen wir auf dem Barbarossa-Wanderweg direkt an der Kleinen Wipper entlang. Der künstliche Wasserlauf  wurde um 1100 von Mönchen angelegt, um Frankenhausen mit Wasser zu versorgen. Die Kurstadt (39 km) durchqueren wir mit Kurs auf Udersleben, dabei tangieren wir die Blutrinne. Hier tobte 1525 der große Deutsche Bauernkrieg. Im Panoramamuseum ist diese Schlacht auf einem Monumentalgemälde dargestellt. Die Dimension des Bildes von 14 x 123 Metern verleiht dem Musentempel seinen außergewöhnlichen Charakter. 

 

Beeindruckend:  Über 3000 farbenprächtige Figuren lassen im Panoramamuseum  
von Bad Frankenhausen die Bauernschlacht  lebendig werden.
 

Auf dem Flugplatz Udersleben  (44 km) machen wir es uns zur Kaffeezeit in der Trudelklause gemütlich. Dabei beobachten wir das emsige Treiben der Jünger Lilienthals, die mit ihren Segelflugzeugen lautlos in den strahlend blauen Maihimmel starten. Am wolkenlosen Firmament zieht eine AN-2 größere Kreise, um Höhe zu gewinnen. Plötzlich hängen bunte Fallschirme in der Luft. Dabei sind auch einige mutige Gäste, die einen Tandemfallschirmsprung aus 2600 Meter Höhe wagen. 28 Sekunden freier Fall, dann dauerte es wohl noch fünf Minuten bis zur Landung.

Wer gern vom Fahrradsattel auf den Sitz des Copiloten wechseln möchte, oder zu einem Tandemfallschirmsprung, der kann das zum Selbstkostenpreis tun. Wir gönnen uns einen 30-Minuten-Rundflug mit dem Motorsegler. Aus der Plexiglaskanzel bietet sich ein einmaliges Panoramabild auf die sagenumwobene Kyffhäuserregion. Schräg unter uns befindet sich das Kyffhäusermeer, jetzt düsen wir bereits am Kyffhäuserdenkmal vorbei, hinein in die Weiten der Goldenen Aue. Hier setzt das grelle Gelb der Rapsfelder besondere farbliche Akzente. In luftiger Höhe drehen wir anschließend über dem roten Dächermeer von Sangerhausen eine Runde und schauen aus der Vogelperspektive auf unsere Gartenanlage. Doch genug der Träumerei. Nach der Landung wird wieder der Drahtesel gesattelt und kräftig in die Pedale getreten. 

 
Abenteuerlich: Mit dem Motorsegler starten wir zum Rundflug über das Reich von Barbarossa.
 

Weiter geht es dann über Udersleben, Ichstedt (48 km) und Hackpfüffel (52 km), auf halber Länge passieren wir die Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt. Es folgen Brücken (56 km), Martinsrieth (59 km) und Oberröblingen (64 km) sowie das Ziel Sangerhausen. Bei dieser Tagestour umrunden wir das Kyffhäusergebirge. An vielen Stellen  schiebt sich dabei das majestätische Kyffhäuserdenkmal ins Bild.

 

Rekordverdächtig: In Udersleben, dem Besenbinderdorf, befindet sich ein Riesenbesen.
Er ist 35 m lang, wiegt 3,8 Tonnen und wurde in 425 Stunden gefertigt.
 

Phantastisches Naturwunder im tiefen Schoß der Erde

Fachkundige Führung durch die Barbarossahöhle

Von Peter Mischur, der Artikel ist in der "Mitteldeutschen Zeitung" erschienen

Heftige Sturmböen peitschen über den südwestlichen Hang des Naturparks Kyffhäuser. Die Baumwipfel am Parkplatz der Barbarossahöhle schwanken wie Schiffe auf stürmischer See. Endlich ist der geschützte Eingangsbereich erreicht. Nach einer kurzen Wartezeit beginnt die Führung durch das stockfinstere Reich von Kaiser Rotbart. Im Gänsemarsch durchschreiten wir in gespannter Erwartung den 160 m langen Eingangsstollen. Hier, im Schoß der Erde herrschen angenehme klimatische Bedingungen. Die Lufttemperatur liegt ständig bei 9 Grad Celsius, während draußen ein unangenehmer Wind durch Mark und Bein pfeift.

Die Höhle ist bei dieser Jahreszeit der richtige Ort für einen Familienausflug. Mit einem freundlichen „Glück Auf" werden wir von unserer Höhlenführerin Diana Sölle begrüßt. Sie gehört quasi zum Urgestein, wie sich später heraus stellen soll. Sie übernimmt nicht nur die fachliche Seite unserer Expedition in das Erlebnisreich, sondern ist auch für die Sicherheit der kleinen Gruppe voll verantwortlich. Völlig überraschend weitet sich jetzt der enge Stollen zu einem weitgespannten Hohlraum. Der Empfangssaal. Über uns türmen sich 70 m Gestein  Und schon beim Namen dieser Örtlichkeit wird deutlich, das jeder Bereich auf der 800 m langen, erlebnisreichen Wanderung in dieser Sehenswürdigkeit einen treffenden Namen erhielt. Da gibt es die Gerberei, die Speckkammer, den Wolkenhimmel, den Olymp, die Kristallkammer. Dorthin führt uns jetzt der Weg. Doch zuvor durchqueren wir das Felsenmeer.

Abertausende Kristalle glitzern wie Sterne am Nachthimmel. Wir recken die Hälse, um die Pracht über uns bestaunen zu können. Welch verschwenderische Schönheit. Während ihrer Erklärungen zur Geologie und Erdentwicklung unterstreicht Diana Sölle in den weitgespannten Gewölben mit dem Strahl der Taschenlampe ihre Worte. Dabei kreist der Lichtpunkt über funkelnde Kristalle, strahlende Alabasteraugen genauso wie über schlangenförmige Flexuren im Gestein. Der Lichtkegel entreißt quellklare Seen dem Reich der Finsternis. Zusätzliche Scheinwerfer zaubern mythisch anmutende Lichtreflexe mit bizarren Gebilden an die Wände. Dunkle Flecken und gräuliche Linien regen unser kleines Trüppchen zu phantasievollen Deutungen an. Gebilde, die die Natur hier in verschwenderischer Form im Laufe der Jahrtausende schuf.

Die nächste Station ist die magisch anmutende Neptungrotte. 500-Watt-Scheinwerfer setzten hier besondere Akzente. Sie heben bizarr geformte Gesteinsbrocken aus dem Grau des Gipsgesteins heraus. Die Beleuchtung ist so raffiniert installiert, dass sich im grün schimmernden etwa 2 m tiefen Wasser die prächtigsten Spiegelungen betrachten lassen. In zwei kristallklaren Seen spiegeln sich eindrucksvoll die interessanten Formstrukturen der nur 3 m hohen Grotte wider. Über all diese Besonderheiten informiert die Führerin ausführlich. Ja, oft sogar entspinnt sich ein Dialog mit den Besuchern. So zum Beispiel, wenn Schätzfragen zur Wassertiefe oder der Temperatur im Raum stehen.

Diana Sölle hat so manch witzige Einlage parat, die sie mit geübter Rhetorik an den Mann bringt. So, als sie die Besucher auffordert, hier ein erfrischendes Bad zu nehmen. Es wagt sich keiner. „Sie brauchen keine Badehose, nur ein Knopfdruck und es ist stockdunkel“. Dann setzt sie schelmisch lächelnd hinzu, bei der Wassertemperatur sei eh nichts zu sehen. Auch diese Aufforderung verhallt ungehört an den Höhlenwänden.

Jetzt stockt uns der Atem. Wir befinden uns in der Gerberei. „Der schönste Raum der Höhle“, so Frau Sölle. Hier sind die eigenartig geformten Deckenlappen besonders fotogen. Bis zu 1 m lang, schweben die zerbrechlichen Gipslappen von der Decke herab. Sie erinnern an Felle, die zum Trocknen aufgehängt sind. Der eigentümliche Reiz der unterirdischen Zauberwelt der Barbarossahöhle liegt im eigenwillig schönen, vielschichtigen, nahezu ungeheurem Farbenspiel weißen bis grauen Gesteins, dessen tausendfältige Formensprache zu staunender Bewunderung anregt, charakterisiert ein Prospekt das Naturwunder im Telegrammstil.

Weiter führt uns der Weg zum Tanzsaal, einem riesigen Hohlraum von 42 Meter Spannweite. Hier fanden im letzten Jahr verschiedene Konzerte statt. Doch jetzt steigt die Spannung. Wir nähern uns der sagenreichsten Stelle. Stuhl und Tisch von Barbarossa. Tief drunten im Berg, direkt im Herzen des Naturwunders befinden wir uns in des Kaisers finsterem Reich. Wir erweisen dem alten Rotbart unsere Referenz. Ein etwas jugendlich wirkender Rauschebart sitzt ehrwürdig an einem steinernen Tisch und muss das grelle Licht der Scheinwerfer ertragen. Erst beim näheren Herankommen wird deutlich, dass eine lebensgroße Puppe den Ehrenplatz, der eigentlich dem Kaiser gebührt, einnimmt. „Das ist ein besonderer Werbegag und beliebtes Fotomotiv“, so Diana Sölle.

Die nächste Überraschung ist der Olymp. Mit 25 Metern der höchste Raum der Höhle. In ihn gelangen wir durch eine schmale Öffnung. Hatte hier Rübezahl gewütet? Unheimlich chaotisch mutet dieser Höhlenteil an. Felsbrocken türmen sich zu einem wüsten Gebirge. Wir bestaunen die Speckkammer, auch Vorratskammer des Kaisers genannt, den Grottensee und steigen über eine Treppe in den Dom. Dabei schauen wir in die schönsten Alabasteraugen der Höhle, betrachten den Fingerabdruck des Kaisers und lassen weitere Phantasiegebilde über die Wände geistern.

Noch ein kurzer Blick in die Hexenküche und wir reihen uns wieder zum Gänsemarsch durch den 1926 angelegten Ausgangsstollen. „Glück auf“ die Erdoberfläche hat uns nach gut 50 Minuten wieder. Immer noch peitscht ein kräftiger Wind die Wipfel der Bäume. 

PS: Entdeckung der Höhle: Die Barbarossahöhle wurde rein zufällig im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Kupferschieferbergbaus entdeckt. Am 31.8.1860 begannen fünf Bergleute unterhalb der Ruinen der Falkenburg einen Suchstollen in den Berg zu  treiben. Über fünf Jahre waren sie Meter um Meter in den Berg vorgedrungen, als sie nach einer Strecke von 178 m  unerwartet auf natürliche Hohlräume von beeindruckender Größe und Schönheit stießen. Der Berg hatte sich vor  ihnen geöffnet - die Barbarossahöhle war entdeckt. Es war der 23. Dezember 1865.

 

 

© Peter Mischur - Rosenstadt Sangerhausen - Nach oben