Romantiktour durchs liebliche Unstruttal 

Kostprobe in der Sektkellerei - Weinmotive im Sandstein verewigt 

Tourlänge: 74 Kilometer 

Auf dem Unstrut-Radwanderweg treten wir in Richtung Freyburg tüchtig in die Pedale. Der Weg führt direkt durch das romantische Unstruttal. Streckenweise wurde die Wegführung auf dem Damm gewählt. Der im Kyffhäuserkreis geschaffene Unstrutradweg verläuft zweifelsfrei durch eine der schönsten Landschaften Thüringens. Er führt durch eine romantische Region die geprägt ist von bedeutenden Kulturdenkmalen und reich an Geschichte ist. Zahlreiche interessante Ziele laden zu einem Besuch ein. Um Wadenkraft zu sparen, fahren wir mit dem Rad von Sangerhausen bis Oberröblingen. Hier besteigen wir den Zug. Er bringt uns nach Artern an den Startpunkt des Unstrutradwegs.


Vom Weinberg  grüßt der Bergfried.

Etappenziel  Freyburg an der Unstrut.

Wir fahren von Artern - hier spielte die MDR-Serie "Stadt der Träume" - über Ritteburg, Schönewerda, Bottendorf und Roßleben direkt an der Unstrut entlang. In der ehemaligen Kalistadt biegt der Weg in Richtung Rankestadt Wiehe ab, bevor er sich an der Egelseebrücke wieder zur Unstrut wendet. Hier passieren wir die Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt.


160.000 Flaschen passen in das Cuvéefass.

Der Herzogliche Weinberg in Freyburg.

Als nächstes sehenswertes Ziel schiebt sich die Ruine der einst wehrhaften Burg Wendelstein ins Bild. Sie thront hoch oben über der träge dahinfließenden Unstrut.



Wehrhaft erhebt sich die Burgruine Wendelstein über der Unstrut.


Bei Memleben fahren wir ein Stück auf der "Straße der Romanik" und tangieren die bekannte romanische Klosterruine.

Unser nächstes Ziel ist ein Superlativ der Extraklasse - die Himmelsscheibe von Nebra. An der Fundstelle auf dem Mittelberg steht seit Juli 2007 ein markanter Aussichtsturm. Er ist 30 m hoch und um 10° geneigt, er ist der Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr. Etwa 3,5 km vom Turm entfernt befindet sich das Besucherzentrum - Arche Nebra.


Aussichtsturm.

Das Besucherzentrum - Arche Nebra.

Ausstellung in der Arche.

Bis Nebra verläuft der Radweg parallel zur Unstrut. Bretleben, Laucha und Freyburg sind weitere Orte auf der Strecke. Jetzt sind wir schon im nördlichsten Weinanbaugebiet Deutschlands. Bereits seit über 1000 Jahren werden hier Reben angebaut. Eine Schenkungsurkunde von Kaiser Otto dem III. belegt dieses Recht. 

Edle flüssige Schätze lagern im Fasskeller der Winzergenossenschaft.

Ein Besuch der Sektkellerei mit dem Riesencuvéefass lohnt sich in der Jahnstadt Freyburg ebenso, wie eine Kostprobe des berühmten Rotkäppchen Sekts. Weitere Sehenswürdigkeiten fordern zu einem Besuch auf. Dazu zählen die Winzergenossenschaft, die sanierte Neuenburg und ein Ortsrundgang durch die winkligen Straßen des Winzerstädtchens.

Nur wenige Kilometer weiter erwartet uns eine besondere Attraktion, ein kulturhistorisches Kleinod der Spitzenklasse. Es ist die Steinerne Bibel. Dieses Kunstwerk zwischen der Sektstadt und dem Blütengrund bei Naumburg verzaubert durch seine ins Gestein gehauenen Darstellungen. Ein Künstler hatte um 1713 Reliefs mit religiösen Motiven und Weinbauszenen in den Sandstein geschlagen.

Von Freyburg bis Artern fahren wir mit der Unstrutbahn zurück, dann satteln wir in Richtung Sangerhausen den Drahtesel. Seit Dezember 2006 verkehrt der Zug nur noch bis Kleinwangen. Die Strecke nach Artern wurde eingestellt.



Als wir 2011 erneut diese Tour unter die Pneus nehmen, entdecken wir zahlreiche Veränderungen. So befindet sich kurz vor Karsdorf die Baustelle für die neue ICE-Trasse. Der gewaltige Bau soll das Unstruttal überspannen.

ICE-Trasse

Kurz vor Karsdorf wird für die neue ICE-Trasse eine gewaltige Brücke über das Unstruttal gebaut.

Brückenbau ICE-Trasse

In Laucha müssen wir über eine Behelfsbrücke, denn gegenwärtig wird die alte Straßenbrücke abgerissen. Demnächst entsteht hier eine neue Brücke.

Bei Weischütz beobachten wir von einer Brücke aus den Bootsverkehr auf der Unstrut. Am Anleger haben die Ausflugsboote "Reblaus" und "Fröhliche Dörte" festgemacht. In dem kleinen Winzerort grüßt ein Weinfass. Geschafft - wir sind am Wehr in Freyburg.


Bootsverkehr auf der Unstrut.

Weischützer Weinfass.

Geschafft - Am Ziel in Freyburg.

Da wir sehr gut in der Zeit liegen, dehnen wir die Tour bis Naumburg aus. Hier läuft gegenwärtig die viel beachtete Landesausstellung "Der Naumburger Meister". Etappen der Tour sind die Unstrutmündung, entlang der Saale, beim Hennehotel über die Brücke, vorbei am Campingplatz Blütengrund auf dem Saaleradweg bis Naumburg. Auf der Rückfahrt tangieren wir Kleinjena und besuchen den Standort einer besonderen Sonnenuhr.

Der Naumburger Dom ist eine Station der Ausstellung "Der Naumburger Meister".

In Kleinjena befindet sich die Sonnenuhr.



Geschichte mühsam in Fels gemeißelt 

Steinerne Zeugen agieren auf Sandsteinbühne am Fuße des Weinbergs

Von Peter Mischur

Ein gemeißeltes Bilderbuch ist die Steinerne Bibel bei Großjena. Das Kunstwerk erzählt anschaulich Geschichte und Geschichten. Das etwa 280 Jahre alte Festbuch setzt sich aus zwölf verschiedenen Bildern zusammen und ist 180 Meter lang. Hans-Peter Müller vom Heimatverein erklärt fachkundig die einzelnen Motive. „Vor uns befindet sich das größte europäische Bildrelief“, deutete er auf die Felswand mit den zahlreichen etwa lebensgroßen Figuren.


Sie erzählen überzeugend aus der 1000-jährige Geschichte des Weinanbaues an Saale und Unstrut. "Dieses Kunstwerk ist von unschätzbarem kulturhistorischen Wert", untermauert er seine Aussage. Während sich Müller jetzt auf die historischen Fakten konzentriert, informiert Thomas Fischer, vom Vorstand des Kulturvereins „Gothisches Haus Burgheßler e.V.“, detailliert über die Schritte der Sanierung. Er ist stets dabei, wenn der Steinmetz und Restaurator Peter Fiedler an den steinernen Zeugen der Vergangenheit arbeitet. Er kann ein Lied davon singen, in welch marodem Zustand sich das Gesamtwerk befand.

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Ein kleiner Ausschnitt aus der Steinernen Bibel.

Jetzt, nach über vier Jahren der mühsamen und aufwendigen Restaurierung, sind die Motive vor dem weiteren Verfall bewahrt. Dabei sind sich die Fachleute einig, dass hier stets weiter saniert werden muss. Denn der Zahn der Zeit nagt ständig an dem Buntsandsteinhang, er greift dabei auch die Reliefs mit an. Deshalb wird das einzigartige Kunstwerk stets ein Pflegefall bleiben.

Sehr einfühlsam erläutert Hans-Peter Müller die Bilder. Durch kleine Anekdoten und überlieferte Geschichten erweckt er sie quasi zum Leben. Dabei berichtet er ebenfalls, dass im Jahr 1720 der reiche Gold- und Silberschmied Johann Christian Steinauer den Weinberg bei Großjena erwarb. Er war Hofjuwelier von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels. Dieser feierte am 17. März 1722 sein zehnjähriges Regentenjubiläum. Zur Erinnerung an diesen Tag ließ Steinauer seinen Weinberg mit dem Felsenrelief schmücken - dem Steinernen Album.


Die „Albumblätter“ zeigen meist biblische, aber auch zwei weltliche Motive aus dem Weinbau. Die stummen Zeugen der 1.000-jährigen Geschichte spiegeln den Anbau der Reben und das Keltern der Trauben an den Hängen der Unstrut wider. Naturkulisse ist die mächtige Sandsteinbank am Fuße des Weinberges. Sie ist die barocke Bühne, auf der biblische Szenen und weltliche Darstellungen präsentiert werden.

Etwa eine halbe Million Mark sind bisher an Fördergeldern für die Restaurierung des Steinernen Wunders aus unterschiedlichen Quellen geflossen. Damit konnten die wichtigsten Arbeiten zum Erhalt des Kunstwerkes finanziert werden. Die Motive wurden in aufwendiger Arbeit faktisch mit einem speziellen Steinfestiger geimpft. Dadurch erhärtet der Fels - der dramatische Verfallsprozess an den Steinbildern wurde gestoppt. Der Stein zerbröselte vor dem Make up, wurde zu Sand. Darunter litten die barocken Figuren, sie wurden invalid. Köpfe, Körper, Gliedmaßen und Schriftzeilen lösten sich auf, rieselten als Staub zur Erde - sind unwiederbringlich verloren. 

 

© Peter Mischur - Rosenstadt Sangerhausen - Nach oben