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Ausflugstipp:  Wippra – Ein Ort mit 7 Siegeln?


WIPPRA: Nein, Wippra ist kein Ort mit 7 Siegeln. Obwohl im Zentrum des idyllischen Ortsteils von Sangerhausen das Buch mit 7 Siegeln ein besonderer Hingucker ist. In dem  romantischen Harzstädtchen werden die Besucher mit offenen Armen empfangen. Dafür sorgt auch der neue Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof.  Man kann nur hoffen, dass dieses Angebot rege genutzt wird. Denn im Ort sowie im nahen Umfeld gibt es viel zu entdecken.

An der Weltzeitsonnenuhr am Schieferhof beginnen ausgeschilderte Wanderwege in die Umgebung des „Staatlich anerkannten Erholungsortes“. So zu den Zwerglöchern, die von Gartenzwergen bewohnt werden. Weiter führt uns der Weg in Richtung Hermerode. Dieser Ort ist durch seine ca. 4 Hektar große Weinbergschneckenfarm bekannt geworden. Von hier steuern wir die Hausbergbaude an. Bei optimalem Wanderwetter stapfen wir durch das raschelnde Laub. Bald ist das gastliche Café erreicht. Geboten werden hier neben leckeren Selbstgebackenen als Sahnehäubchen ein einmaliger Blick auf das Schloss Rammelburg (Foto links). Auf dem Rückweg nach Wippra besuchen wir noch die barocke St.-Martins-Kirche in Friesdorf. Sie wurde 1718 geweiht.

Wer die schöne Aussicht vom Schlossberg auf das Wippertal und den Ort Wippra genießen möchte, kraxelt über den Rundwanderweg zu dem markanten Aussichtspunkt. Wippra liegt dem Betrachter zu Füßen. Der geschichtsinteressierte Besucher findet hier oben noch Reste der ehemaligen Burg Wippra. Einige Schritte davon entfernt können Sportfreaks an Trimm-dich-Geräten ihre Ausdauer testen.

Ein weiterer Weg beschert Wippra zahlreiche positive Schlagzeilen. Es ist die Eröffnung des ersten Naturistenstieges in Deutschland - eine Premiere - Vorsicht Nackedeis. Doch um diese Jahreszeit werden auch die Hartgesottenen die Fleece Jacke überwerfen. Und demnach ist keine nackte Gänsehaut zu befürchten.

In gleicher Richtung verläuft ein Wanderweg zur Wippertalsperre. Für Technikfreaks ist das gewaltige 126 m breite und knapp 25 m hohe Ingenieurbauwerk eine Augenweide. Gebaut wurde die  Staumauer  vom Februar 1951 bis November 1952 zur konstanten Versorgung des Mansfeld-Kombinates mit Brauchwasser.  Das Besondere - seit April 2011 kann man den Kopf der Staumauer betreten und das gesamte Wasserbauwerk überqueren. Die maximale Staumenge ist mit 2 Millionen m³ Wasser angegeben.

Wieder in Wippra angekommen, legen wir im Mühlencafé eine Rast ein. Idylle pur, im Zentrum des Ortes dominiert die Behaglichkeit. Gepflegte Fachwerkhäuser kuscheln sich zwischen Backsteingebäude. Neben dem  Biergarten des Mühlencafés befindet sich das  Schau-Wasserrad einer ehemaligen Mühle.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt die historische Brauerei. Hier kann der Besucher einen Schluck Heimat genießen. Doch zuvor bestaunen wir noch die dekorative Weltzeitsonnenuhr am Schieferhof. Seit April 2005 zeigt sie die Zeit an. Der 140 cm große drehbare Globus offenbart zahlreiche wissenswerte Informationen. So werden u.a. Vulkane und Hauptstädte der Welt über Leuchtpunkte angezeigt. [Peter Mischur]

Ausflugstipp:  Kletterwald  ist Mutprobe, Nervenkitzel und Action pur


WIPPRA: In Wippra wird den Gästen Erholung, Entspannung und Action pur geboten. Neben der rasanten Rodelstrecke und einem Kletterfelsen überrascht seit  April 2011 eine weitere Attraktion die Besucher. Es ist der Kletterwald. Wie Tarzan schwingt man sich in 10 m Höhe von Baum zu Baum. Es ist Mutprobe und Muskeltraining gleichzeitig - Action pur. Vom Schulkind, den Jugendlichen hin bis zum Opa hängen hier alle Altersklassen wie die Affen in den Bäumen. – Wow.

Noch mehr Adrenalin und Nervenkitzel garantiert seit Frühjahr 2012 eine weitere Mutprobe. Es ist die Seilbahn über das Wolfstal. Eingehängt in eine gesicherte Rolle brettern die ganz Mutigen mit einem Affenzahn die 240 m Bahn hinunter ins Tal. – Fantastisch.

Und Leute die hoch hinaus wollen und eine sportliche Herausforderung suchen, die wagen sich mit einem Seil gesichert an den Kletterfelsen. Hierbei ist oft Teamgeist gefragt. Denn über verschiedene Schwierigkeitsgrade gelangt man zum „Gipfelkreuz“.

Noch ein Kracher für Eisenbahnfreaks. Fast in Griffweite verläuft das Gleis der Wipperliese. Diese 1920 erbaute Bahnstrecke durchquert bis Vatterode einen Teil des Wippertales. Die Strecke führt über Friesdorf, Biesenrode, Gräfenstuhl-Klippmühle, Vatterode und Mansfeld. Nach gut 20 Kilometern erreicht die Bahn Klostermansfeld.  - Traurige Meldung: Die Koalition im Landtag versetzt der Wipperliese zum April 2015 den Todesstoß. Damit wird ein weiteres touristisches Zugpferd beerdigt.

Apropos Sport, nicht vergessen darf man in Wippra die Skisprungschanzen. Doch das ist bereits der nächste Beitrag. [Peter Mischur]


TRADITION: Die scharfen Zwiebelrispen werden von Karsten und Andrea  Brandt aus Heldrungen nach der traditionellen Art gewickelt. Als krönenden Abschluss erhalten die beliebten Souvenirs einen Blumenstrauß.

Scharfe Rispen sind begehrte Souvenirs

Unter geschickten Händen entstehen die Verkaufsrenner aus Heldrungen.

HELDRUNGEN. Sieben Häute hat die Zwiebel, durch mehr als sieben geschickte Hände muss das Tränen treibende Gemüse gehen, will es sich als begehrte Rispe präsentieren. Gefragt sind die scharfen Zöpfe nicht nur auf den traditionellen  Zwiebelmärkten in Artern und Weimar, sondern weit darüber hinaus.

Viel Arbeit, gepaart mit Kreativität und der notwendigen Fingerfertigkeit stecken in den Heldrunger Originalitäten. Bei Brandts wachsen die Zutaten für das typische  Souvenir der Stadt auf den Äckern hinterm Haus. Dazu zählen Zwiebeln, Statice, Blumen und der Weizen. Weizen?

"Das Getreidestroh bildet quasi die Seele jeder Zwiebelrispe", erklärt Karsten Brandt.  Darauf werden die blattrunden gelben Stuttgarter Riesen sowie die Braunschweiger Dunkelblutroten gebunden. In dem  gelb-roten Gebinde setzen die getrockneten Blumen  weitere  Farbakzente.

"In diesem Jahr verwenden wir als zusätzlichen farblichen Blickfang die goldenen Färberdisteln", so Andrea Brandt. Sie ist bei ihrem Bruder Karsten angestellt. Der junge Mann übernahm in  vierter Generation den Betrieb von den Eltern.

Im Hof des Anwesens ist die Luft vom Geruch der Zwiebeln, der Trockenblumen und des Beiwerks geschwängert.

Wahre Berge an Blumen und "Zippeln", wie die Heldrunger sagen, türmen sich wohl sortiert in den aufgestapelten Kisten.

Aus diesen Zutaten entstehen in einer immensen Fleißarbeit die Rispen. "Gewickelt werden sie, und nicht geflochten, deshalb ist es auch kein Zopf, sondern eine Rispe", demonstriert Karsten Brandt den Arbeitsablauf.

Es ist interessant der Geburt einer Rispe beizuwohnen. Auf die goldene Seele aus Stroh bindet der junge Chef die Siebenhäutigen. Die großen unten, immer kleiner werdend geht es spiralförmig nach oben. Den krönenden Abschluss bildet ein farbenfroher Trockenblumenstrauß.

Urkundlich wird der Zwiebelmarkt in Weimar erstmals im Jahr 1653 erwähnt.  An diesem traditionellen Thüringer Volksfest in der Dichterstadt beteiligen sich über 100 Heldrunger.  Zum festen Stamm gehört das Familienunternehmen Brandt.

Dagegen ist der Arterner Zwiebelmarkt noch im Juniorenalter. Hier ist verbürgt, dass erstmals am 2. Dezember 1972 die Zwiebelkrone über der Salinestadt  schwebte.  Auch hier sind die Zwiebelrispen aus Heldrungen die Verkaufsrenner. Sie stellen das landwirtschaftliche Markenzeichen dieser lieblichen Kleinstadt dar.         Peter Mischur