Eva & Peter Mischur - Ansichtskarten Fotos Sangerhausen

Pressestimmen
Wochenspiegel 2007
Historischer Stadtbummel a la Carte

Peter Mischur sammelt emsig Ansichtskarten

 

 

 


ANSEHENSWERT: Eine geschichtliche Fundgrube sind die prall gefüllten Ansichtskartenalben von Peter Mischur aus Sangerhausen.


Sangerhausen. Mollig warm ist es an diesem nass-kalten Januartag in der guten Stube von Peter Mischur. Bei dem gegenwärtigen Grippewetter macht es sich der Sangerhäuser im bequemen Sessel gemütlich und beginnt eine Sightseeingtour durch die Stadt. So paradox es klingt, dazu muss er die Wohnung nicht verlassen. Er blättert einfach in schwergewichtigen, prall gefüllten Alben und schaut sich konzentriert Bildpostkarten an. Im Laufe der Zeit hat er mehrere Sammelordner mit historischen Kartengrüßen aus der Berg- und Rosenstadt gefüllt. Sie ermöglichen einen Zeitsprung in die Vergangenheit.

Fein säuberlich sortiert ruhen die bebilderten Grüße in den Klarsichthüllen der Alben. Trotz des immensen Kartenberges behält er dabei stets den vollen Überblick. Dafür sorgt das ausgeklügelte Archivierungssystem.  Bei diesem Stadtbummel wird ihm so recht bewusst, dass „die Ansichtskarten unbestechliche und wahrhaftige Zeugen der Geschichte sind“. Spiegeln sie doch als aussagekräftige Zeitdokumente ein gewaltiges Stück Stadtentwicklung wider.

Besondere Ereignisse aus dem Zeitgeschehen spielen auf früheren Postkarten eine wichtige Rolle. Man darf nicht vergessen, die Fotografie steckte noch in den Kinderschuhen und Fernsehen gab es nicht. So übernahm die Bildpostkarte eine entscheidende Informationsrolle. Ein wichtiges Ereignis, wie die Deutsche Rosenausstellung im Jahr 1903, oder ein Unglücksfall wurden zum Motiv der Ansichtskarten, eben echte Zeitdokumente.

Neben rein technischen Ansichten zu Beginn des letzten Jahrhunderts, kulturellen Höhepunkten, wie dem Orchesterauftritt in den goldenen 20er Jahren vor dem Schützenhaus bis hin zu den gesellschaftlichen Aktivitäten der Schlossbewohner reicht das Spektrum der Motive. Alle Genre berührend, ob Straßen, Plätze, Ausflugsziele, Personen oder Bauwerke, ist der bebilderte Blick in die Historie möglich. Seine älteste Karte erlaubt eine informative Zeitreise ins Jahr 1898. Sie zeigt eine farbige Herbststimmung des Stadtparks. Und seine allerschönste, sie hütet er wie einen Schatz, ist eine silbern glänzende Mondscheinansicht des Marktplatzes.

Jetzt fingert Mischur mit Geschick weitere Motive aus den Alben auf den Wohnzimmertisch. Sie dokumentieren schwarz auf weiß und coloriert, dass bereits unsere Urgroßeltern vor gut 100 Jahren ihre Sonntagsspaziergänge zur Moltkewarte und ins Ausflugslokal Eschental unternahmen. Beliebte Sommerfrischen waren auch die Brühlschen Terrassen hoch über der Stadt, sowie die Walkmühle.

Schon an diesen vier Karten ist die Stadtgeschichte im Wandel der Zeiten nachvollziehbar. Noch anschaulicher dokumentiert er an verschiedenen Objekten die Entwicklung. Stellt Mischur doch dem vergilbten Motiv von damals eine fotografische Aufnahme von heute gegenüber. Auf der Postkarte von einst ist der Bahnhof aus roten Klinkersteinen vor der Zerstörung zu sehen. Nach dem Wiederaufbau des Empfangsgebäudes setzt die spiegelnde Glasfassade die architektonischen Akzente. Und nur wenige Schritte weiter wirbt eine Karte von 1910 für den Besuch des Kaffeehauses Kolditz. In der gemütlichen Gastlichkeit kann man heute noch gepflegt einkehren.  Als ein weiteres Kapitel könnte der Wandel der Straßennamen in der Stadt aufgeschlagen werden. Es ist heute wieder ein brandheißes Thema.

Bei dem Stadtbummel vom Sessel aus, schaut der Sammler wie durch ein Fenster in die Vergangenheit. Dabei entdeckt er die romantischsten Fleckchen der Stadt: Schlendert durch den Torbogen am Husarenpförtchen, vorbei an den Dreierteichen bis ins Reich der Rosen. Dann wieder schieben sich dominierende architektonische Bauwerke wie das neue Schloss in den Vordergrund. Auch heute steht das historische Objekt wieder im Focus, wenn es um den Wiederaufbau des traditionellen Erkers und die Restaurierung des Festsaales geht.

Die Alben sind für Mischur ein besonderer Schatz. Sie sind ansehenswert, lesenswert und überaus informativ. Enthalten sie doch zu jedem Bild viel Wissenswertes über die Historie. Es gibt Geschichte und Geschichten sowie Anekdoten. Die Geburtsstunde der Ansichtskarte geht bis ins Jahr 1870 zurück. Der Oldenburger August Schwarze sandte die erste Karte in die Welt. Zu jener Zeit wurde der Gruß noch auf der Bildseite geschrieben, während die Rückseite der Adresse vorbehalten blieb.

Der Geheimtipp des Wochenspiegels. Ein virtueller Stadtrundgang durch das historische Sangerhausen ist im Internet auf der privaten Homepage unter http://www.petermischur.de möglich. Auch freut sich der leidenschaftliche Sammler über weitere Ansichtskarten.


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